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Bei der Stottertherapie kommen je nach individueller Ausgangssituation Ihres Kindes unterschiedliche Methoden zum Einsatz.

Wir arbeiten dabei nach:

1. dem Methodenkombinierten Ansatz (Georg Thum*– Stärker als Stottern)

STOTTER-Straße Erklärung (als PDF)

Primär erfahren Sie und Ihr Kind einen angstfreien Umgang mit dem Thema Stottern. Ziel ist es, Sprechängsten, Vermeidungsverhalten und möglichem sozialem Rückzug entgegenzuwirken.

Es werden die beiden wichtigsten Ansätze der Stotter-Therapie kombiniert:

  • Modifikationsansatz nach Van Riper, Dell
  • Fluency Shaping Techniken nach Webster

Die gängigsten Techniken der Ansätze sind kindgerecht aufbereitet und anschaulich gemacht: Mit Hilfe einer Werkzeugkiste, die Ihr Kind erhält, lernt es, sein Sprechen zu verflüssigen, die Bewegungsabläufe zu (be)greifen, die Vorgänge beim Sprechen zu verändern und somit Kontrolle zu gewinnen.

In der Werkzeugkiste befinden sich viele Dinge, die Ihrem Kind helfen, flüssiger zu sprechen. So gibt es zum Beispiel ein „Fell“, das für eine weiche, lockere Sprechweise steht. Der „Frosch“ hilft, das spannungsbehaftete Stottern hin zu einem lockeren, flüssigeren Stottern zu verändern. Mit einem Stopp-Schild, einem Thera-Band und einer Ampel kann Ihr Kind den Kontrollverlust des Stotterns beenden und sein Sprechen wieder selber gestalten.

Alle gelernten Techniken werden auch außerhalb des Therapieraums umgesetzt. So macht es nicht nur mehr Spaß, z.B. ein Eis zu bestellen, sondern zeigt Ihrem Kind sofort, was es kann. Wir üben mit steigender Komplexität und betrachten uns selbst mit Hilfe audio-visueller Aufnahmen.

*Georg Thum, Akademischer Sprachtherapeut, spezialisierte sich 1996 ausschließlich auf die Therapie stotternder Kinder, Jugendlicher und Erwachsener. Er ist Lehrbeauftragter am Lehrstuhl Sprachheilpädagogik und in der Stotterberatungsstelle der Ludwig-Maximilians-Universität München tätig. Thum konzipierte zusammen mit Ingeborg Mayer die Intensivtherapie „Stärker als Stottern“ und führt den methodenkombinierten Ansatz auch ambulant in eigener Praxis durch.

2. der Lidcombe-Methode

Das Lidcombe-Programm ist eine Therapiemethode zur Behandlung frühkindlicher Redeflussstörungen. Es wurde im Laufe der letzten zehn Jahre in Zusammenarbeit des Australian Stuttering Research Centers (ASRC) an der Faculty of Health Sciences, University of Sydney und der Stuttering Unit im Bankstown Health Service in Sydney für stotternde Kinder im Vorschulalter entwickelt.

Zu der Entwicklung des Lidcombe-Programms tragen Wissenschaftler und Praktiker (klinische Therapeuten) bei. Mitte der achtziger Jahre begannen sie im Stadtteil Lidcombe, im westlichen Sydney, ihre Arbeit.

Das Lidcombe-Programm wird von Ihnen als Eltern oder einer Bezugsperson im täglichen Umfeld Ihres Kindes durchgeführt. Während einer wöchentlichen Therapiestunde lernen Sie unter unserer Anleitung, wie das Vorgehen umgesetzt wird. Im Rahmen der Therapie demonstrieren wir die jeweiligen Elemente der Behandlung, supervidieren und leiten Sie als Eltern bei der Durchführung an. Sie bekommen stetig Rückmeldungen. Ihre Elternarbeit ist ein essentieller Bestandteil der Therapie, da wir gewährleisten wollen, dass die Behandlung angemessen durchgeführt wird und eine positive Erfahrung für Sie und Ihr Kind darstellt.

Da sich alle Kinder und ihre Familien unterscheiden, bleiben zwar die elementaren Bestandteile des Lidcombe-Programms gleich, die Art, wie wir sie im Rahmen der Therapie mit Ihnen einsetzen, variiert jedoch deutlich. Diese individuelle Anpassung ist ein weiterer entscheidender Erfolgsfaktor der Lidcombe-Methode.

Das Lidcombe-Programm gliedert sich in zwei Phasen:

Ziel von Phase I ist eine deutliche Reduktion der Stottersymptomatik oder das Erreichen völliger Sprechflüssigkeit. Während dieser Zeit kommen Sie mit Ihrem Kind einmal wöchentlich zur Therapie und führen die Behandlung täglich zu Hause durch. Phase I ist beendet, wenn Ihr Kind völlige Sprechflüssigkeit oder eine sehr niedrige Stotterrate erreicht hat.

In Phase II soll diese Sprechflüssigkeit oder das Sprechen mit sehr niedriger Stotterrate über einen langen Zeitraum (mindestens 12 Monate) aufrechterhalten werden.

Während dieser Phase werden die Häufigkeit Ihres Feedbacks reduziert und die Abstände der wöchentlichen Therapiestunden konstant vergrößert. Dies geschieht jedoch nur, wenn das Kind die erworbene Sprechflüssigkeit erhalten kann. Diese zweite Phase der Therapie ist sehr wichtig, da bekannt ist, dass es nach einem scheinbaren Therapieerfolg häufig zu Rückfällen kommen kann.

 

3. der Ressourcenorientierten Therapie mit stotternden Vorschulkindern und ihren Eltern – Baukastenprinzip (Dr. Claudia Iven, Dr. Bernd Hansen)*

Sie als Eltern sind sehr bemüht, Ihrem Kind auf dem Weg zur Sprechflüssigkeit zu helfen. Um Ihren Bedürfnissen und denen Ihres Kindes möglichst gut zu entsprechen, ist ein flexibles, die Familienressourcen berücksichtigendes Vorgehen nötig. Daher arbeiten wir im Rahmen dieses Konzeptes nicht nach einem feststehenden Programm, sondern mit Hilfe eines Methoden-Baukastens, der an Ihre spezifische familiäre Situation und die Ihnen eigenen Fähigkeiten angepasst wird.

Eine ausführliche Diagnostik hilft herauszufinden, welche Einflussfaktoren die Sprechflüssigkeit Ihres Kindes einschränken oder fördern. Die Therapie erfolgt nicht nach standardisierten Kriterien, sondern wird entsprechend der Diagnose-Ergebnisse flexibel und doch strukturiert auf Ihre individuellen Bedingungen und Möglichkeiten zugeschnitten.

Im Mittelpunkt steht zunächst der Aufbau von sprechflüssigkeits-fördernden Bedingungen beim Kind und in seiner kommunikativen Umgebung, z.B. durch den Aufbau hilfreicher Kommunikationsstrategien. Zusätzlich werden, falls erforderlich, für das Kind Angebote zum direkten Sprech- und Stottermanagement ergänzt. Diese konsequent sprechflüssigkeits-orientierte Sicht- und Vorgehensweise erscheint vor allem deshalb sinnvoll, weil ca. 80% der stotternden Vorschulkinder auch ohne therapeutische Intervention durch desensibilisierende, modifizierende oder symptom-zentrierte Methoden in die Sprechflüssigkeit finden würden.

* Dr. Bernd Hansen und Dr. Claudia Iven sind Akademische Sprachtherapeuten und seit über 20 Jahren als Stottertherapeuten, Elternberater und Supervisoren in der Ausbildung von Sprachtherapeuten sowie gemeinsam als Fortbildungsreferenten und Autoren tätig.