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Sprachliche Fähigkeiten

Entwicklung der Aussprache

Ihr Kind lernt alle Laute seiner Muttersprache zu bilden und sie entsprechend der Regeln des jeweiligen Sprachsystems anzuwenden.

In den ersten Lebensmonaten experimentieren Säuglinge mit ihrer Stimme. Sie produzieren zahlreiche Geräusche und machen auf diese Weise ihre Erfahrungen mit Sprechbewegungen. Allmählich lernt das Kind die willentliche Kontrolle über diese Bewegungen und vergleicht mit zunehmendem Lebensalter die zu hörenden Sprachlaute aus seiner Umgebung mit seinen selbst produzierten. Langsam passt es sich dem Gehörten an. Selbst gehörlose Säuglinge durchlaufen die sogenannte erste Lallphase. Sie verstummen erst dann, wenn es um den Vergleich mit den sie umgebenden Sprachlauten und deren Nachahmung geht.

Entwicklung des Wortschatzes

Ihr Kind verbindet seine Erfahrungen und sein Wissen von der Welt mit sprachlichen Erkenntnissen: Ein Wort wird zum Stellvertreter für einen realen Gegenstand, eine Tätigkeit oder für Gefühle.

Nach und nach formte Ihr Kind Sprachlaute, die erkennbare Worte bildeten. Damit gingen wichtige Erkenntnisprozesse einher: 1) Es hat gelernt, dass Gegenstände auch dann noch existieren, wenn sie nicht mehr greifbar vorhanden sind (z.B. sucht es einen Gegenstand, obwohl dieser nicht in seinem Blickfeld ist). 2) Es hat Erfahrungen mit sich selbst, mit Dingen und Handlungen gesammelt, die von Ihnen sprachlich begleitet wurden. So hat es Bedeutung von Worten verstanden.

Das Kind wird zunehmend unabhängiger von konkreter Anschauung, es kommen komplexe Wörter hinzu, die abstrakte Inhalte und grammatische Bezüge ausdrücken. Dabei zeigt sich, dass der Wortschatz des »Sprache-Verstehens« (passiver Wortschatz) stets umfangreicher ist als der aktive Wortschatz des »Sich-Ausdrücken-Könnens«.

 

Entwicklung der Grammatik

Im Laufe seiner Sprachentwicklung hat Ihr Kind ein komplexes Regelsystem »zu knacken«. Es lernt zum Beispiel die Regeln der Wortstellung, wobei der Position des Tätigkeitswortes zunächst eine herausragende Bedeutung zukommt. Ihr Kind bemerkt Veränderungen einzelner Wörter und, dass diese innerhalb eines Satzes aufeinander abgestimmt sind. So ist die Endung des Tätigkeitswortes abhängig vom Hauptwort: Ich gehe – du gehst. Das Kind erwirbt also das grammatische Regelsystem unserer Sprache.

Die Entwicklung des Wortschatzes Ihres Kindes hängt eng mit der Struktur von Sätzen zusammen. Bereits durch Doppelungen erster Wörter und im Zuge der ersten Kombinationen verschiedener Wörter (beim Übergang von der Einwort- zur Zweiwortebene) lässt sich erkennen, dass Ihr Kind mehr sagen möchte, als es ihm aufgrund seiner noch geringen sprachlichen Mittel möglich ist. Die Bedeutung seiner Äußerungen zu verstehen, angemessen zu übersetzen und zu erweitern, ist Aufgabe des sozialen Umfeldes. „Mama Ball“ kann vielerlei bedeuten. Erst im Rahmen der Situation und Ihres gemeinsamen Handelns, welches Sie sprachlich begleiten, formen Sie gemeinsam mit ihrem Kind die Bedeutung der Äußerung. So wachsen seine Fähigkeiten, den Wortschatz auszubauen und grammatische Strukturen zu erwerben.

 

Entwicklung kommunikativer Kompetenz

Dieser Bereich des Spracherwerbs umfasst die gesamte Anwendung sprachlicher und nicht-sprachlicher Kenntnisse (Mimik und Gestik), also aller Kommunikationsmittel.
»Sich-Mitteilen« und »Sich-Austauschen mit anderen« geschieht von Beginn an auf altersgemäße Weise. Lange bevor Ihr Kind Gespräche führen kann, werden ihm grundlegende Anreize dazu vermittelt. Durch unsere Sprechmelodie und die kleinen Pausen, die wir zwischen Äußerungen einhalten, signalisieren wir unserem Baby, dass an dieser Stelle eigentlich eine Antwort erwartet wird. Mit zunehmenden sprachlichen Fähigkeiten füllt das Kind diese Lücken dann auch tatsächlich aus.

 

Entwicklung des Sprachverständnisses

Das Verstehen von Sprache geht der Fähigkeit, Sprache anzuwenden, zeitlich voraus. Ihr Kind versteht Sie also, bevor es sich selber äußern kann. Dieses Verstehen ist jedoch für lange Zeit eng an Situationen gebunden. Echtes Sprachverständnis entwickelt sich schrittweise, bis es von konkreten Situationen gelöst ist.

 

Entwicklung des Redeflusses

Der Redefluss unterliegt ebenfalls Entwicklungsprozessen, die sehr verzahnt mit den hier geschilderten sprachlichen Bereichen ablaufen.

Die Planung und Ausführung seiner sprachlichen Äußerungen stellen eine hohe Anforderung an Ihr Kind dar. Es gewinnt erst allmählich Bewegungskontrolle. Die Feinabstimmung der Muskelbewegungen, die für das Reden notwendig sind, muss sich langsam entwickeln und reifen. Dass damit häufig Satzabbrüche, Suchschleifen, Umformulierungen, Wortwiederholungen und kleine Denkpausen einhergehen, verwundert also nicht. Diese bewirken häufig, dass das Sprechen unflüssig klingt.